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PITT

5.6 Raptexte im Literaturunterricht

Anne Uhrmacher

Im Unterrichtsbeispiel #gemeinsamlesen wurde mit Grenzgänger/Frontalier ein Rapsong ausgewählt, der mit Blick auf seine Wortwahl unproblematisch ist und thematisch auf das positiv konnotierte Bild von Mehrsprachigkeit und Grenzgängertum abhebt. Der folgende Text soll zeigen, dass aber auch tabuisierte Texte des Deutschrap für den Einsatz im Deutschunterricht fruchtbar gemacht werden können.

Tabuisierte Texte des Deutschrap im Schulunterricht −
didaktisches Potenzial und Herausforderung

anst woa da hans ARP
scho a oat inspiration
heit is des da RAP
ob ma woin oda ned
(Ernst Jandl, 1991)

Misogynie, Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und Schlimmes mehr − die abstoßenden Seiten des Rap, insbesondere des sogenannten Gangstarap und seiner verwandten Spielarten, werden oft und breit diskutiert. Eine umfassende Presseaufmerksamkeit ist vor allem garantiert, wenn NS-Bezüge in widerwärtiger Weise zur Provokation missbraucht werden.1 Dies ist zugleich verständlich und aufgrund der ungewollten Werbewirkung sehr problematisch. Stellen wir uns aber die Frage: Fehlt nicht auf der anderen Seite eine Aufmerksamkeit für die unglaublich breitenwirksamen Reize gerade dieser Textsorte? Bedarf nicht die pädagogische Warnung vor den Gefahren auch der Wertschätzung anderer Aspekte, um wirksam zu sein?

Harmlosere Raptexte sind als Unterrichtsmaterial längst keine Seltenheit mehr. Oft wird in didaktischer Absicht zum Selbsttexten aufgefordert (vgl. zum Beispiel Loh); doch ist dies in der Realität oft verbunden mit einer Zensur unerwünschter Auswüchse, die den genretypischen Figurenreden entsprechen. Diese lauten etwa so: Ey Digga, ich halte die Waffe und ficke Deine Mutter / King Orgasmus One, Hengzt, Sonny King Black / Ich fick Dein Arschloch und töte Whacks / Mittelfingah / für euch alle (Bushido; die ursprüngliche Fassung des Albums King of Kingz, aus dem dieses Zitat stammt, wurde von der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert). Nicht alle Texte des Gangstarap sind so abstoßend wie dieser, und bei Weitem nicht alle problematischen Texte sind juristisch verboten; es gibt durchaus schultaugliches Material. Viele Rapper, die von pädagogischer Seite mehr oder weniger tabuisiert werden, sind ungemein populär und Teil der Lebenswelt der meisten Schülerinnen und Schüler. Zählungen der abgerufenen Musikvideos und der aus dem Internet geladenen Songs bekannter Gangstarapper ergeben oft mehrstellige Millionen Rezipienten. Wenn Wissenschaft und Unterricht wegsehen, überlässt man die Deutung allein den Jugendlichen.

Die aktuelle Situation erinnert an den Umgang mit bis heute bereinigten und ästhetisierten „Kinderversen“, die außerhalb der meisten Druckerzeugnisse für den Unterricht alles andere als ein Ringelspiel sind (Rühmkorf). Auch dieser Textsorte wird bis heute zensierend begegnet, was es unmöglich macht, die Kraft der oft obszönen, brutalen und ekelhaften Verse zu verstehen. Doch ist das anarchistische Potenzial eine nicht zu unterschätzende literarische Kraft gegen alle denkbaren Autoritäten. Außerdem werden durch wissenschaftliche Annäherung an heterogene − eben nicht nur der Hochliteratur zuzurechnende − Formen der Literatur die Qualitätsunterschiede „nicht geleugnet oder verwischt, sondern allererst erklärbar gemacht“ (Schneider). Heute sind Texte des Gangstarap im weiteren Sinne − Feindifferenzierungen der Branche muss man nicht nachvollziehen − eine der drängendsten Herausforderungen für den Schulunterricht, vor allem aufgrund ihrer unvergleichlichen Popularität. Fünf Aspekte dieser Textsorte, die sich als interdisziplinäre Unterrichtsthemen lohnen, werden im Folgenden skizziert.

 

1. Literarische Rhetorik

Wenn der bei Jugendlichen höchst beliebte Sänger Apache 207 im Lied Roller vorschlägt, eine Hood-Safari zu machen, so meint er ein Cruisen auf seiner Vespa durch die Nachbarschaft (von engl. neighbourhood stammt der erste Teil der Wortkomposition).2 Solches Wortmaterial ist bestens geeignet, um etwa Phänomene wie Neologismen, Entlehnungen, Wortkomposition und Metaphern zu erklären.3 Die Aufmerksamkeit der Klasse ist dabei garantiert, anders als bei oft artifiziellen Übungen in Deutschbüchern.

Tokat, Kopf ab, Mortal Kombat / Vollkontakt á la Ong-Bak, komm ran … (Haftbefehl). Viele rhetorische Figuren und Tropen können anhand der Liedtexte ebenso gut erarbeitet werden wie anhand von Hochliteratur. Erwähnt seien vor allem Reime und Klangspiele, Wortspiele, Gedankenfiguren und intertextuelle Verfahren; die Liste lässt sich weit fortsetzen.

Auch das Erkennen von Qualitätsunterschieden kann hier erlernt werden. Im eben zitierten Text des Rappers Haftbefehl Chabos wissen wer der Babo ist gelingt etwa die erste Strophe durchaus literarisch innovativ; die Weiterdichtung des Songs durch Farid Bang dagegen ist eine bloße Reizworthäufung, etwa: Denn ich mache sie zur Schnecke wie ein Transenchirurg / Versorg‘ Junkies mit Koks, fick‘ Collien … Solche Reizkumulation ist übrigens typisch für alle möglichen Schlager der Popularmusik − obwohl die Reizwörter sich je nach Zielgruppe stark unterscheiden. Und auch diese Erkenntnis kann die vermeintliche Provokation des Rap entzaubern. Der Vergleich zu literarisch wertvolleren Erzeugnissen ist auf der Grundlage der erlernten literaturwissenschaftlichen Fachtermini dann ebenfalls gut vorbereitet. Denn eine Beachtung der Texte, die von Jugendlichen geschätzt werden, kann deren Sympathie für die literarische Rhetorik wecken und damit für germanistische Kernkompetenzen.

 

2. Identitätskonstruktionen

Nimmt man als Aufgabe der Jugend die Abgrenzung zur Erwachsenenwelt an, so wird unmittelbar klar, dass dies mit Wilhelm Tell, Robin Hood und Schillers Räubern, von Lehrenden empfohlen, nicht mehr gelingen kann. Wenn aber Freiheitsliebe und der Kampf gegen ein Establishment noch reizvoll sind, was bietet sich dann als Literatur mit Distinktionspotenzial (Mein) an? Auch die Texte der Gangster-Sprechgesänge propagieren selbstbewusste Randständigkeit, scheinbar einen gesellschaftlichen Gegenentwurf mit erfolgreicher Kriminalität, Gewalt- und Drogenverherrlichung. Vermeintliche Authentizität ist dabei für den Markterfolg wichtig und wird in den PR-Strategien entsprechend forciert: Die Rapper berichten willig über angeblich verübte Straftaten. In juristischen Verhandlungen über die Indizierung jugendgefährdender Texte sprechen Anwälte der Rapper dagegen anders; sie betonen die künstlerisch frei gestalteten Figuren der Liedtexte. Hier kann der Deutschunterricht einladen, näher hinzusehen. Was sind juristische Grenzen der Kunstfreiheit? Diese sind klar definiert (zum Beispiel zu sexualisierter Gewalt) − es handelt sich bei Indizierungen nicht etwa um eine Krönung der unspezifisch „Schlimmsten“, wie Jugendliche vermuten können.

Was wird mit den inszenierten Biografien bezweckt? Und was ist die Botschaft der Aufbegehrenden? Als sehr ernüchterndes Thema entpuppt sich die neoliberale Weltsicht der angeblichen Ghettobewohner. Wenn sie sich mit scheinbar kriminell erworbenen, luxuriösen Statussymbolen inszenieren, ist das Motto oft: „Wer Geld hat, ist der Boss und soll es auch bleiben − das ist sein gutes Recht.“ Diese Weltsicht herauszuarbeiten, kann produktiv sein − gerade auch kontrastiv zu literarischer Randständigkeit in kanonisierten Werken, die typischerweise eine andere Gerechtigkeit vorschlagen. Relativiert wird der Sozialdarwinismus im Gangstarap manchmal durch satirische Distanzmarker (siehe hierzu Punkt 5) − oder gar anklingende Melancholie mit milieuübergreifender Gültigkeit? Chabos wissen wer der Babo ist … (Jungs wissen, wer der Boss ist …)

Im Fokus der Identitätskonstruktionen stehen natürlich auch die genderspezifischen Zumutungen der Hypermaskulinität und misogynen Erhebung, die in der wissenschaftlichen Debatte besonders beachtet werden und die auch wertschätzende Beobachter oft ratlos machen: Wäre deine Mutter fünf Mark billiger, wäre ich heut‘ dein Vater / Du Opfer, zeig Respekt gegenüber dem Vergewaltiger deiner Mutter (Bushido). Nicht zu unterschätzen ist hier die Entzauberung, die eine Analyse im Deutschunterricht mit sich bringen kann. Was man in der Schule soziologisch und psychologisch durchleuchtend betrachtet, so die Vermutung, kann nicht besonders aufregend sein. So darf man in diesem Punkt zumindest auf eine gewisse Immunisierung hoffen, analysierte Provokation büßt ihren Reiz oft ein.

 

3. Jugendsprache und Mündlichkeit

Gangstarap inszeniert eine „Gangstersprache“; sie verarbeitet vor allem ethnolektal inspirierte Jugendsprache und prägt diese in einer beständigen Wechselwirkung. Feridun Zaimoglu hat diese Varietät literarisch verarbeitet und stilisiert, er nennt sie „Kanak-Sprak“, ein Wort, das in der Linguistik oft zu vermeiden gesucht wird. Ersatzbezeichnungen, etwa „Kiez-Deutsch“, „Ghetto-Deutsch“ oder „ethnolektale Jugendsprache“, haben allesamt ebenfalls Nachteile, sind zu eng, unzutreffend oder zu weit. Sehr aufschlussreich sind aber linguistische Feldstudien, die das Phänomen beschreiben, etwa „Die ,türkischen Power-Girls‘“ von Inken Keim. Hier wurde festgestellt: Die ethnolektal inszenierte Sprachvarietät ist als ein freiwilliges Register zu werten, durchaus milieuübergreifend prägt sie heute Jugendsprache. So findet es auch der Bankazubi witzig, in der Mittagspause ins Handy zu sprechen: „Ich geh jetzt Döner, dann geh ich Sparkasse.“ Längst prägt dieser Soziolekt den Mainstream der deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie, etwa durch populäre Filme wie Fack ju Göhte, die auch Luxemburger Jugendliche rezipieren.

In der alltäglichen Verwendung kommen dabei nachweislich oft satirische Züge ins Spiel, und diese sind in ganz unterschiedlichen Gruppen Jugendlicher zu belegen (Keim). Als Unterrichtsthemen bietet sich hier sehr Vielfältiges an, das sprachübergreifend und auch mit Blick auf luxemburgische Jugendsprache von Interesse ist: Norm und Variation in Wortwahl, Satzbau und Grammatik, insbesondere mit Blick auf gesprochene Sprache, sowie Funktionen der Abweichung, rhetorische Besonderheiten und ihre Wirkung (zum Beispiel ein spezifischer Wortschatz und Bedeutungswandel, ritualisierte Formeln, Ellipsen, Satzabbrüche, Anakoluthe) bis hin zum Erlernen von Fachvokabular, das Schüler zur Beschreibung des Soziolekts befähigt, ohne selbst in diesen verfallen zu müssen (etwa Vulgarismen, Obszönität, skatologisches Vokabular, Hyperbeln). Es wird durch diese Instrumente klar, dass niemand ein Fan des Textmaterials sein muss, um es zu analysieren, im Gegenteil, nüchterne Betrachtung tut der Sache gut. Pussy, muck bloß nich uff hier, du Rudy … (Haftbefehl) Eine Bereicherung der klassischen literaturwissenschaftlichen Termini durch neue, literarisch verbreitete Techniken (Wolbring) wie Dissing (Schmähen) oder Boasting (Prahlen) birgt für Schüler die Chance, das Fach Deutsch als lernfähig zu erleben und die Vorteile von Fachsprache wohlwollend aufzunehmen: das präzise Begreifen von zunächst diffusen Phänomenen.

4. Literarische Mehrsprachigkeit

Gerade in mehrsprachigen Kontexten wie den luxemburgischen Schulen kann das kreative Potenzial von Sprachwechsel, Sprachvermischung und -verschmelzung ein hohes literarisches Gut sein. In der luxemburgischen Literatur ist dieses Thema ohnehin präsent. „In der Poesie brauchen wir alles, woran wir uns nicht gewöhnt haben“, sagt Ernst Jandl. Autoren wie Feridun Zaimoglu haben das provokative Potenzial von Multilingualität besonders entfaltet. Eine Wertschätzung der literarischen Mehrsprachigkeit ist auch in sonst tabuisierten Raptexten möglich. Sie kann Schüler motivieren, sich mit morphologischen Experimenten zu befassen, die unterschiedliche Deutungen zulassen: Hafti Abi, Baby, Straßenstar international / Biji, biji Kurdistan, ich mach‘s auf die Babo-Art (Haftbefehl; gesammelte Erklärungs- und Übersetzungsversuche bietet das Songtextportal genius.com). Die verschiedenen Ebenen derartiger Sprachvermischung zeigen erhellend ihre Vielfalt: etwa morphologisch, syntaktisch, grammatisch, orthografisch und lautlich − umfassende Sprachreflexion wird hier angeregt. Zu Recht bezeichnen Feuilletons manche Texte des Gangstarap als experimentelle Avantgarde. Durch ihren Einsatz als Unterrichtsmaterial kann die Auseinandersetzung auch mit Mehrsprachigkeit in der Hochliteratur durchaus vorbereitet oder begleitet werden − und somit die Begegnung mit einem der aktuell produktivsten Forschungsfelder der Literaturwissenschaft.

 

5. Satirische Elemente und Distanzmarker

Hafti Abi ist der, der im Lambo und Ferrari sitzt / Saudi Arabi Money Rich (Haftbefehl) oder Alles cool, ich hab Money / Gucci-Jacket − bulletproof wie John Gotti (Kollegah): Die vielleicht wichtigste und unstrittig schwierigste Frage, die sich mit Blick auf solche Texte stellt, ist die der Satire und Ironie. Wenn der Rapper Kollegah als angeblicher Gangsterboss ankündigt: Kid, ich komm‘ im Dalmatinerpelz, so wankt das hypermaskuline Prahlen, ebenso wenn Apache berichtet: Seh‘n mich im Unterhemd, schiel‘n zu mir rüber, sie checken mein‘n Body aus / Bitch, 105 Kilogramm Definition ohne Kardio. In vielen Texten wird bewusst in der Schwebe gelassen, ob eine Ironie mitschwingt. Es sind vermutlich nicht alle Zielgruppen des Musikmarktes, die eine satirische Distanz goutieren, viele Jugendliche der extrem breiten Zuhörerschaft tun dies aber durchaus; im April 2020 zählte YouTube über 77 Millionen Abrufe des Songvideos zum eben zitierten Text Roller, das Streamingportal spotify über 160 Millionen Abrufe des Songs. Viele Rezipienten schätzen das Rollenspiel als Unterhaltung, die Figurenrede als witzig, etwa wenn ein Gegner als Deutscher („Kartoffel“) beschimpft wird: Du warst die fette Kartoffel, dann die schlanke Kartoffel / Ey, und nach diesem Track bist du die zerstampfte Kartoffel (Kollegah). Interpretationen der Liedtexte können Schülerinnen und Schüler an grundlegende Begriffe wie Nonsens, Parodie, Satire, Zynismus und Ironie heranführen. Deren teils diffizile Nachweisbarkeit wird erfahren und ihre Feindifferenzierung eingeübt.

In der Analyse konzentrieren sich die Germanistik und der Deutschunterricht traditionell auf eine milieuspezifische Auswahl literarischer Erzeugnisse: Das sind vor allem jene, die von gesellschaftlich privilegierten Schichten präferiert werden. Was diese ablehnen, ignorieren in großen Teilen auch Wissenschaft und Unterricht. Wenn das renommierte Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft suggeriert, sprachvermischende Lyrik, beschrieben unter dem Stichwort „makkaronische Dichtung“, spiele seit dem Ende des 19. Jahrhunderts keine Rolle mehr, dann werden geflissentlich die wohl meistrezipierten lyrischen Texte aller Zeiten übersehen: Liedtexte der Popularmusik. Sie werden nicht nur millionenfach konsumiert, sondern sie sind auch für sehr viele Jugendliche, außerhalb der Schule, der einzige Kontakt zu Lyrik überhaupt. Muss man nun gerade deshalb die hinsichtlich ihres literarischen Wertes fragwürdigen Gebilde auch noch in der Schule behandeln? Ja. Die Kulturindustrie bedarf der kritischen Begleitung. Dies stellte schon Adorno klar − wenn er auch lange Zeit und insbesondere im deutschsprachigen Raum ungehört blieb. Zu Recht fordern Beobachter der Wissenschaft mehr Aufmerksamkeit für das Spektrum ästhetischer Präferenzen. Es manifestieren sich in diesem Spektrum schließlich Weltbilder und Wertvorstellungen; nicht zuletzt lassen sich psychologisch und sozial wirksame Effekte beobachten. Das didaktische Potenzial tabuisierter Texte des Deutschrap spricht mit Blick auf Lehrstoffe des Deutschunterrichts für sich.

 

 

Literatur

Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. In: Gunzelin Schmid Noerr (Hg.): Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Bd. 5. Frankfurt a. M. 1987, S. 144–196.

Keim, Inken: Die „türkischen Power-Girls“. Lebenswelt und kommunikativer Stil einer Migrantinnengruppe in Mannheim. Tübingen 2007.

Loh, Hannes: Rap@school. Grundlagen für die pädagogische Arbeit mit HipHop. Mainz 2010.

Mein, Georg: Die Migration entlässt ihre Kinder. Sprachliche Entgrenzungen als Identitätskonzept. In: Clemens Kammler / Torsten Pflugmacher (Hg.): Deutschsprachige Gegenwartsliteratur 1989–2003. Eine Bilanz. Heidelberg 2004, S. 201–217.

Rühmkorf, Peter: Über das Volksvermögen. Exkurse in den literarischen Untergrund. Reinbek bei Hamburg 1967.

Schneider, Jost: Sozialgeschichte des Lesens. Zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland. Berlin/New York 2004.

Wolbring, Fabian: Die Poetik des deutschsprachigen Rap. Göttingen 2015.

Die zitierten Raptexte finden sich mit gesammelten Erläuterungen im Songtextportal genius.com: Mittelfingah (Bushido): https://pitt.lu/ext/mittelfingah; Roller (Apache 207): https://pitt.lu/ext/roller; John Gotti (Kollegah): https://pitt.lu/ext/gotti; Chabos wissen wer der Babo ist (Haftbefehl): https://pitt.lu/ext/babo; Fanpost (Kollegah): https://pitt.lu/ext/fanpost.

 

1 Besondere Aufmerksamkeit erhielt etwa der Eklat um die Rapper Kollegah und Farid Bang im Kontext der Verleihung des Musikpreises Echo Pop 2018, der daraufhin abgeschafft wurde. Das im Rahmen des Echo Pop prämierte Album enthielt auch die Textzeilen: Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen und Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow.

2 Die Erklärung des Wortes verdanke ich Studierenden der Universität Luxemburg.

3 Beispielfragen für den Unterricht könnten etwa sein: „Hood-Safari − Wie ist dieses Wort aufgebaut? Was ist damit gemeint? Wie findet ihr das Wort? Warum hat Apache es wohl verwendet?“ Als Lernziele könnte man definieren, dass Schülerinnen und Schüler das Kompositum auf der Basis teilweise vorhandenen lexikalischen Materials erkennen, sie können die Entlehnung aus dem Englischen und die Verkürzung (Hood) beschreiben sowie die metaphorische Bedeutungsübertragung. Wenn Deutungen des Wortes in der Klasse verglichen werden, wird die semantische Vagheit von Neologismen klar. Diese kann als literarisches Potenzial gewürdigt werden. Das Wort wird voraussichtlich als kreativ bewertet, vermutlich als witzig empfunden. Seine Funktion, etwas Spezifisches zu beschreiben, für das es noch kein eigenes Wort gab, kann den Blick auch auf eventuell satirische Züge richten.

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