#Digitallife

Raptexte online kommentieren und diskutieren

5#Gemeinsamlesen

program overview

PITT

5.2 Unterrichtsplanung

01
Thema der Einheit im Gesamtgefüge der Unterrichtssequenz
  • Thema der Unterrichtsreihe: #digitallife
  • Thema der Einheit: #gemeinsamlesen – Raptexte online kommentieren und diskutieren
  • Die Unterrichtseinheit im Gesamtgefüge aller Einheiten der Unterrichtssequenz
    Modul     #keinfilter
        #ichhassedich
        #bewegteballaden
        #gamebasedlearning
        #gemeinsamlesen

Da die Module nicht aufeinander aufbauen, können sie in beliebiger Reihenfolge durchgeführt werden. Aus diesem Grunde ist es der Lehrperson überlassen, ob sie mit dem Modul #gemeinsamlesen – Raptexte online kommentieren und diskutieren anfängt oder es zu einem späteren Zeitpunkt einsetzt. Vorwissen über Gedichte und Sachtexte ist von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich.

 

02
Bedingungsanalyse
  • Lerngruppe: 6C und 6G – cours de base und cours avancé.
  • Raum: Präsentationsmöglichkeit in Form eines Beamers/Whiteboards, wahlweise steuerbar über einen Klassencomputer oder iPad.
  • Eine wichtige Voraussetzung für diese Unterrichtseinheit besteht darin, dass die
    Schule einen Klassensatz an iPads besitzt.
  • Weder Schüler noch Lehrer brauchen besondere Vorkenntnisse, um dieses Modul einzusetzen. Vorwissen über Gedichte und/oder Sachtexte kann von Vorteil sein.
  • Padlet, Word Online.
  • Zeit: 2 Doppelstunden.
03
Sachanalyse

Einen Text durch Social Reading weitestgehend alleine und ohne die Hilfe der Lehrkraft zu verstehen und zu erschließen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. SuS sind wahrscheinlich nicht mit der Methode des Social Reading vertraut, sodass ihnen nicht nur die Kompetenz abverlangt wird, ihre Antworten zur Textanalyse strukturiert in einem shared-Dokument zu verschriftlichen, sondern auch, dass sie sich auf die Beiträge ihrer Mitschüler beziehen und diese ggf. diskutieren. Demnach verlangt das Social Reading eines Textes sowohl rezeptiv-analytische als auch produktiv gestaltende Kompetenzen. Aus diesem Grund ist es besonders hilfreich, einen Text auszuwählen, dessen Form aus der Lebenswelt der SuS stammt und dessen Inhalt von den SuS als besonders relevant als bedeutsam empfunden wird. Ein Blick auf die Charts der Musikstreamingdienste zeigt, dass Raptexte in Luxemburg zu den populärsten lyrischen Textsorten zählen. Der Text des Songs Grenzgänger/Frontalier von Zweierpasch ist für SuS in Luxemburg aus mehreren Gründen besonders spannend. In ihrem Rapsong appellieren Zweierpasch, mentale und geografische – also physische – Grenzen zu überschreiten. Den Rahmen des Liedes bilden Ausschnitte der Reden von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags im Jahr 1963. Das Musikvideo zeigt die Zwillingsbrüder auf der Passerelle des Deux Rives zwischen Kehl (DE) und Straßburg (FR), die als europäisches Friedenssymbol gilt.

Für luxemburgische SuS sind Grenzen auf ganz unterschiedlichen Ebenen erlebbar und gehören damit zu ihrer Lebenswirklichkeit: Aufgrund seiner geografischen Lage spielen politische und geografische Grenzen in Luxemburg seit jeher eine große Rolle. Verortet zwischen Romania und Germania hatten und haben die Kulturen der Nachbarländer ebenfalls Einfluss auf die luxemburgische Kultur. Mehr als 192.000 Grenzgänger überqueren von ihrem Heimatort die luxemburgischen Grenzen, um dort zu arbeiten (STATEC 2019). In diesem Land, in dem das Schengener Abkommen zum Abbau der Personenkontrollen an Binnengrenzen unterschrieben wurde, werden Grenzen also nicht nur physisch und geografisch erlebt, vielmehr kommt dem Thema Grenzen ebenfalls eine hohe symbolische Bedeutung zu. Grenzen auszutesten und zu überschreiten ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.

04
Didaktische Analyse
a. Bezug zum Rahmenlehrplan/Angestrebte Lernziele und Kompetenzen: Grundlagen – Auszüge aus den Rahmenlehrplänen der Klassenstufe:

6C

6G

Lernziele aus dem Medienkompass

    • LZC1 – Der Schüler kann unter Anleitung Informationen in der Bibliothek und im
      Internet recherchieren und aufbereiten.
    • LZC2 – Der Schüler kann das Thema und den wesentlichen Inhalt von Sachtexten in den Hauptgesichtspunkten erfassen und aufgrund von Arbeitsaufträgen gesuchte Informationen in den Texten finden, markieren und ordnen.
    • LZC3 – Der Schüler kann Informationen verknüpfen und somit Zusammenhänge
      erkennen, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen.
    • LZC4 – Der Schüler zeigt Interesse an audiovisuellen und elektronischen Medien.
    • LZC5 – Der Schüler kann seinen eigenen Standpunkt sachlich darlegen und begründen.
    • LZC6 – Der Schüler kann eigene Ansichten und Gefühle verständlich schildern.
    • LZG1 – Der Schüler kann sprachlich, thematisch und strukturell kontinuierliche und diskontinuierliche Texte sowie Bilder entschlüsseln.
    • LZG2 – Er kann diesen Medien Informationen entnehmen, Zusammenhänge herstellen und kritisch damit umgehen.
    • LZG3 – Er kann fremde Standpunkte wahrnehmen, nachvollziehen und mit eigenen Ansichten vergleichen.
    • LZG4 – Der Schüler kann sich an Gesprächen über vertraute Themen des Alltags
      verständlich beteiligen und eigene Standpunkte nachvollziehbar darlegen.
    • LZG5 – Der Schüler kann eigene Redebeiträge planen, ausführen und die Wirkung eigener und fremder Redeweisen reflektieren.
    • LZG6 – Der Schüler kann eigene Lese- und Medienerfahrungen sowie -interessen (bevorzugte Genres, mediale Angebote, Themen, Autorinnen/Autoren) beschreiben und bewerten.
    • LZG7 – Der Schüler hat die Methodenkompetenz, mediale Formate unterschiedlichster Art zu verstehen, zu nutzen, zu analysieren, zu interpretieren und zu bewerten.
    • MK1 – Informationen und Daten: 1.1 Daten, Informationen und digitale Inhalte recherchieren, 1.2 Daten, Informationen und digitale Inhalte analysieren und bewerten; 1.3 Daten, Informationen und digitale Inhalte speichern und verwalten; 1.4 Daten, Informationen und digitale Inhalte verarbeiten.
    • MK2 – Kommunikation und Zusammenarbeit: 2.1 Mit anderen zusammenarbeiten; 2.2 Daten, Informationen und digitale Inhalte teilen und publizieren.
    • MK3 – Erstellung von Inhalten: 3.2 Multimediale Dokumente erstellen.
    • MK4 – Digitale Welt: 5.2 Verantwortungsvoll und kreativ mit digitalen Medien umgehen.

     

    Aus diesen Grundlagen entwickelte konkrete Lernziele für die Unterrichtseinheit:

    Vorbemerkung: Die Lernziele von 6C und 6G sind identisch, allerdings erhalten die Schüler des enseignement général stärkere Unterstützung im Erreichen dieser Ziele

6G – cours de base und cours avancé:

Didaktische Relevanz und Begründung:

Die Sachanalyse hat bereits verdeutlicht, welche enormen Potenziale die Thematik der Grenzen bietet.

Dass es bei der Lesekompetenz luxemburgischer SuS noch Verbesserungspotenzial gibt, zeigen sowohl internationale wie auch nationale Studien (PISA, ÉpStan). Empirische Befunde lassen den Schluss zu, dass die Lesekompetenz durch die zunehmende Dominanz digitaler Texte im Vergleich zu gedruckten Texten, die von SuS auf Papier gelesen werden, weiter sinken könnte.

So fanden Golan/Barzillai/Katzir (2018) heraus, dass Kinder im Alter zwischen elf und zwölf Jahren das Lesen am Bildschirm bevorzugen, bei Tests zum Leseverständnis allerdings besser abschneiden, wenn sie den Text vom Papier lesen. Das Lesen am Bildschirm ist nun aber nicht mehr aus dem Alltag der Jugendlichen wegzudenken. Daher ist es wichtig, das Lesen am Bildschirm einzuüben.

Social Reading eignet sich dazu in besonderem Maße. „Social Reading ist die Kombination von Text und Kommunikation über den Text online und öffentlich oder für ausgewählte Leser zugänglich. Leser kommentieren dabei für alle anderen Leser sichtbar den Text und reagieren auf Anmerkungen anderer Leser, gewissermaßen ein Chat im Text über den Text.“ (Henkler/Khalaf/Möllers 2017) Durch Annotationen tauschen sich die SuS über den Text aus, wie in einem analogen hermeneutischen Zirkel. Im Unterschied dazu bleiben jedoch alle Aussagen, die zu einem Text gemacht wurden, erhalten und ermöglichen die Etablierung einer Kommentarkultur innerhalb des Klassenverbandes. Darüber hinaus wird Kollaboration gefördert. Wolf und Barzillai (2009) weisen in diesem Zusammenhang auf das Potenzial des Scaffolding hin. So ist es hilfreich, SuS beim digitalen Lesen Orientierungshilfen und Denkanstöße, etwa in Form von konkret zu beantwortenden Fragen zum Text, zu geben.

 

Didaktische Reduktion

Social Reading bietet demnach Chancen für den Literaturunterricht. Der Raptext Grenzgänger/Frontalier von Zweierpasch soll mit der Methode des Social Reading gemeinsam erschlossen werden. Abschließend wir der Inhalt eines Sachtextes zum Thema „Mehrsprachigkeit als
Chance“ zusammengefasst.

 

Literatur

STATEC (2019): L’impact des frontaliers dans la balance de paiements https://pitt.lu/ext/frontaliers.

Golan, D. D., Barzillai, M., & Katzir, T. (2018). The effect of presentation mode on children’s reading preferences, performance, and self-evaluations. Computers & Education, 126, 346–358. Verfügbar unter: https://pitt.lu/ext/effect.

Delgado, P., Vargas, C., Ackerman, R., & Salmeron, L. (2018).  Don’t throw away your printed books: A meta-analysis on the effects of reading media on reading comprehension. Educational Research Review, 25, 23–38. https://pitt.lu/ext/dontthrow.

Henzler, H., Khalaf, C., Möllers, R. (2017). Thesen zur Zukunft des Social Readings. Abrufbar unter: https://pitt.lu/ext/thesen.

Vgl. Wolf, M./Brazillai, M. (2009): The importance of Deep Reading. In: Literacy 2.0, 66/6, S. 32-37.

 

05
Methodische Analyse

Stunde 1:

Einstieg (5 Minuten): Stummer Impuls
Lehrkraft spielt das Musikvideo Grenzgänger/Frontalier von Zweierpasch vor:

Erarbeitung 1 (5 Minuten):
SuS notieren kollaborativ in einem Padlet ihre spontanen Eindrücke, die sie vom Musikvideo bekommen haben. Die Einträge werden unmittelbar auf das Whiteboard übertragen.

Problematisierung (2 Minuten):
Lehrkraft greift die im Video dargestellte Grenzthematik zwischen Deutschland und Frankreich auf. SuS sehen sich das Erklärvideo zur deutsch-französischen Freundschaft an. An dieser Stelle geht es nicht darum, den SuS ein tiefgreifendes Verständnis über die deutsch-französischen Beziehungen zu vermitteln. Vielmehr soll ein erstes Bewusstsein für diese Thematik geschaffen und somit das Verstehen des vorgespielten Rapsongs sichergestellt werden.

https://www.zdf.de/kinder/logo/logo-erklaert-deutsch-franzoesische-freundschaft-100.html

Erarbeitung 2 (15 Minuten):
Lehrkraft spielt das Musikvideo erneut vor. SuS lesen den Originalraptext parallel mit – M1 (ausgedruckt oder in einem Word-Online-Dokument). SuS und Lehrkraft betrachten nun noch einmal das Padlet. SuS ergänzen dort und diskutieren im Plenum die Besonderheiten des Mediums Musikvideo: Sie erarbeiten kollaborativ, in welcher Form und durch welche Mittel (visuelle, auditive, ästhetische, inhaltliche, sprachliche) die Thematik der Grenze sowie der Grenzüberschreitung durch das Medium Musikvideo transportiert wird.

Erarbeitung (30 Minuten): SuS gehen in ihren iPads auf ein Word-Online-Dokument (oder ­Google Docs), wo sie den Text des Rapsongs Grenzgänger/Frontalier sehen.


Arbeitsauftrag:

1. Lest den Text (ggf. in der übersetzten Version) noch einmal ganz und markiert Wörter oder Textteile, die ihr nicht versteht. Versucht diese gemeinsam zu verstehen, helft euch gegenseitig. Wer eine Idee/Frage hat, schreibt sie in das Dokument, kommentiert auch das Geschriebene eurer Mitschüler. Ihr könnt auch im Internet recherchieren …

2. Dann wird die Klasse in neun Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält die Verantwortung für einen Textabschnitt (= Strophe), eine Gruppe für alle Refrains.

Hausaufgabe (Alternativ, falls in einer Doppelstunde gearbeitet wird, kann diese Phase auch im Unterricht stattfinden.)

1. Konzentriert euch nun auf den eurer Gruppe zugeteilten Textteil und beantwortet die dazugehörigen Leitfragen gemeinsam. Ihr könnt auch im Internet recherchieren …

2. Notiert gemeinsam, in kollaborativer Arbeitsweise, in Word Online oder Google Docs, worum es in der von euch untersuchten Strophe geht. Ihr könnt beispielsweise wie folgt vorgehen: Verabredet euch, wann ihr gemeinsam online weiterarbeiten wollt. Dann schreibt eine/r einen Vorschlag und die anderen Gruppenmitglieder diskutieren, erweitern und verändern diesen Vorschlag so lange, bis ihr als Gruppe mit der Zusammenfassung eurer Strophe zufrieden seid.

3. Bestimmt einen oder zwei Vertreter/eine oder zwei Vertreterinnen eurer Gruppe, die eure Strophe in der nächsten Stunde vorträgt (entweder als Rap oder als Vortrag) und die Zusammenfassung präsentiert.

 

Stunde 2:

Einstieg (1.1 Minuten):
Zur Einstimmung spielt die Lehrkraft das Video von Zweierpasch Grenzgänger/Frontalier eine Minute und zehn Sekunden vor, bis nach der 3. Strophe.

Präsentation (45 Minuten):
In der Reihenfolge der Liedstrophen tragen die Vertreter/-innen der einzelnen Gruppe die Strophe vor und teilen ihre Ergebnisse mit der ganzen Klasse. Ziel ist es, dass durch kooperative Arbeitsweise am Ende alle SuS das gesamte Lied kennen und verstehen. Mitschüler/-innen geben Feedback zum Vortrag, können ergänzen oder Fragen stellen. Für jede Gruppe stehen inkl. Feedback fünf Minuten zur Verfügung.

Hausaufgabe:
Zusammenfassung des Sachtextes „Mehrsprachigkeit als Chance“.

06
Differenzierungsmöglichkeiten

SuS mit mittlerem Kompetenzniveau können die folgende Zusatzaufgabe erledigen: Sammelt und notiert gemeinsam Merkmale des Liedtextes, die auch in der Lyrik/den Gedichten vorkommen.

SuS mit hohem Kompetenzniveau und Vorwissen können zusätzlich folgende Aufgabe erledigen: Grenzen und Grenzgänger spielen in Luxemburg eine besondere Rolle. Schreibt auf, welche Erfahrungen ihr in eurem Alltag mit Grenzgängern gemacht habt und welche Rolle die verschiedenen Sprachen dabei spielen.

07
Im Rahmen der Unterrichtsreihe zu erfüllende Qualitätskriterien

a. luxemburgspezifisch:
Auf inhaltlicher Ebene ergeben sich aus dem Raptext Grenzgänger/Frontalier zahlreiche Anknüpfungspunkte für Luxemburg wie etwa die thematisierte Mehrsprachigkeit, das Grenzgängertum, Luxemburgs geografische Lage als Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland oder interkulturelle Fragen.

b. digitale Komponente:
Der Raptext wird durch Social Reading digital erschlossen und in einem Onlinedokument analysiert.

c. interaktiv:
Sowohl das Lesen als auch das Erschließen des Textes sowie die Beantwortung der dazugehörigen Fragen erfolgen in kollaborativer Arbeitsweise.

d. differenzierend:
Die Differenzierung wird zum einem über den Grad der Hilfestellung und zum anderen über differenzierende Aufgaben gewährleistet.

e. faire Leistungsbewertung von alternativen Lernprodukten:
Die SuS erstellen in Gruppenarbeit kollaborativ eine Collage, die aus Textbausteinen und Illustrationen besteht. Dabei unterstützen sie sich gegenseitig. Die Arbeit wird als Ganzes bewertet.

f. Medienkompetenzrahmen:
Folgende der im Medienkompass vorgegebene Kompetenzen werden gefördert: Daten, Informationen und digitale Inhalte recherchieren; Daten, Informationen und digitale Inhalte analysieren und bewerten; Daten, Informationen und digitale Inhalte speichern und verwalten; Daten, Informationen und digitale Inhalte verarbeiten; mit anderen zusammenarbeiten; Daten, Informationen und digitale Inhalte teilen und publizieren; angemessene Ausdrucksformen verwenden; Textdokumente erstellen; multimediale Dokumente erstellen; Autorenrechte kennen und anwenden.

g. 4K:
Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, Kritisches Denken: Die SuS kommunizieren in einem Onlinedokument miteinander über die Chatfunktion, lösen die Aufgaben kollaborativ und setzen das Gelernte in der Leistungsbewertung kreativ in einer Collage um. Dabei reflektieren sie kritisch die Thematik der Mehrsprachigkeit im Zusammenhang mit Grenzüberschreitung.

08
Stundenverlaufsplan
PITT